Lieber Mario,
als trauriger BVB Fan wünsche ich dir nur das Beste im Münchener
Haifischbecken. Schade, dass du die ungeheuren Möglichkeiten aufgibst, die in
eurer Mannschaft stecken. Ich hoffe für dich, dass ich falsch liege mit meiner Diagnose,
dass dieser Wechsel zwei, drei Jahre zu früh kommt. Vielleicht gibt es ja die
Hoffnung auf Guardiola in München, aber der momentan auf der Erfolgswelle
geltende Burgfrieden in München täuscht schon ein bisschen darüber hinweg, was
dort normalerweise abgeht.
Ich wünsche dir, dass du in der nächsten Saison wenigstens noch gegen
Dortmund spielen darfst, wenn du schon nicht mehr mit ihnen spielen willst.
Liebe Grüße aus dem Allgäu, Rainer
Kultur ist mein Leben, Zukunft sichert mein Überleben. Hier will ich meine Gedanken dazu sammeln und zur Diskussion stellen, ohne mich um redaktionelle Ansprüche, um Objektivität bemühen zu müssen. Hier ist Meinung und hier soll Meinung sein!
Dienstag, 23. April 2013
Dienstag, 8. Januar 2013
Heute Morgen um fünf Uhr ausgelesen: „Über Meereshöhe“ von Francesca Melandri
Ein kleines Buch das mit seiner Anlage und Komposition
fesselt und fasziniert.
Italien während der „bleiernen“ 70er Jahre. Paolos Sohn hat
als Terrorist drei Menschen getötet. Nach der Gerichtsverhandlung ist Paolos
Frau darüber vor Kummer gestorben. Trotzdem besucht Paolo den Sohn, so oft es
ihm erlaubt wird.
Luisa besucht ihren Mann im Gefängnis. Er hat eine
gewalttätige Seite und im Suff einen Menschen erschlagen. Nachdem er im
Justizvollzug auch noch einen Wärter getötet hat, landet er im gleichen
Hochsicherheitsgefängnis wie der Terrorist, Paolos Sohn, auf einer kleinen
Insel im Mittelmeer.
Paolo ein grüblerischer Intellektueller, frühpensionierter
Philosophielehrer und Luisa, einfache Bäuerin, Mutter von fünf Kindern, eine
Frau, die mit den sprachlichen Zwischentönen eines Paolo nichts anfangen kann,
bleiben wegen eines Unfalls für eine Nacht auf der Insel hängen. In Gesprächen
und Rückblicken werden ihre Geschichten erzählt, die unterschiedlicher nicht
sein könnten. Und doch sind die beiden in der Lage sich gegenseitig zu
akzeptieren und zu helfen. Ja, sie sind sogar in der Lage, dem Vollzugsbeamten
Nitti und seiner Frau eine Chance für ihren weiteren Lebensweg zu eröffnen.
In der kleinen Geschichte zweier Menschen bringt Francesca Melandri die
ganze Tragik der italienischen Gesellschaft dieser Jahre zum Ausdruck. Ein Buch
von großer sprachlicher Schönheit über ein Thema, das Menschen an die Grenzen
ihrer Leidensfähigkeit führt.
Sonntag, 29. Juli 2012
Autos und Öko
Blauer Brief für VW
Heute habe ich endlich den Brief an VW geschrieben, den ich schon ewig loswerden wollte. Der Text darf gerne als Vorlage verwendet werden, um ihn an andere Hersteller und eigene Erfahrungen anzupassen und dort dem Management auf die Nerven zu gehen:
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich wollte Sie hiermit darüber informieren, dass meine Frau
und ich entschieden haben, unsere beiden VWs (Polo und T4) noch einmal durch
den TÜV zu bringen. Warum sollte Sie das interessieren? Wir beide sind nun fast
lebenslang, also seit ungefähr 30 Jahren zufriedene VW Kunden, zuletzt sogar
Neuwagenkunden. Genauso lange und noch länger sind wir überzeugte
Umweltschützer und regen uns über die Produktpolitik aller Hersteller,
insbesondere natürlich aber unserer Marke VW, auf. Seit 30 Jahren verschlafen
Sie eine ökologische Umstrukturierung Ihrer Flottenpolitik und kommen Sie mir
jetzt nicht mit Ihren Greenwashing-Feigenblatt-PR-Aktivitäten.
Langer Rede kurzer Sinn: In zwei Jahren werden wir unsere
Nachfolgemodelle kaufen. Für den kleinen einen Stromer, für den großen einen
Hybrid oder, falls es irgendwer bis dahin endlich auf die Reihe bringt, ein
Brennstoffzellenfahrzeug. Wenn VW bis dahin nicht ökologisch, technisch und
preislich überzeugende Angebote auf dem Markt hat, werden Sie zwei lebenslange
Kunden verlieren. Schade eigentlich, denn mit Qualität, Service und Kulanz waren wir immer sehr zufrieden.
Dienstag, 17. Juli 2012
Bankenkrise, Bankenkrise, Bankerkrise
Wer bitte ist Libor?
| Alles nur Kleingeld? |
Jedesmal wenn ich den Wirtschaftsteil der „Zeit“ lese und
aufs Neue die letzten Schurkereien aus der Bankenlandschaft präsentiert bekomme
– hier
nur ein Teil von dem, was über die Liborschweinereien in der Printausgabe steht
– überlege ich, weshalb das so ist,
dass offensichtlich Banker, die in einem Segment arbeiten, das „am großen Rad
dreht“, die Weltwirtschaft bestimmt, in großer Anzahl korrumpierbar und
verantwortungslos sind. Dagegen sind alle Banker, die ich persönlich kenne, die
sich mit ganz normalen Kunden abgeben, absolut verlässliche Leute, die man auch
mit Millionensummen nicht dazu bewegen könnte, das Geld ihrer Kunden mit
dubiosen Geschäften aufs Spiel zu setzen. Diese Leute haben auch ganz klar
erkannt, welche Risiken in sogenannten „modernen“ Finanzprodukten stecken und
haben solche nie für ihre Kunden oder ihre Bank gekauft. Sie sind auch völlig
problemlos durch die Finanzkrise geschippert, einfach weil sie rechnen können.
Ist es Voraussetzung für Chefsessel großer Geldinstitute, dass man das Rechnen
verlernt?
Allerdings sind die großen Bosse ja ganz gute Rechner, wenn
es um Provisionen, Boni, Abfindungen und Pensionen geht. Die Banker, die ich
kenne verdienen zwar gut, aber immer noch deutlich weniger, als unsere
Bundeskanzlerin. Ich muss da immer an die Szene aus „Pretty Woman“ denken, wenn
Julia Roberts, nachdem er sie vor einer Vergewaltigung durch seinen Kompagnon
gerettet hat, Richard Gere ins Gesicht schleudert: „Bringen sie euch Jungs das
auf dem College bei, wie man eine Frau ins Gesicht schlägt?“
Lernt man auf der London School of Economics oder einfach
auf dem steilen Weg nach oben, wie man Kunden, Politik, ganze Volkswirtschaften
und sich selbst betrügt? Was treibt Leute wie Barclay Chef Diamond? Was hindert
die amerikanische Justiz die Verantwortlichen der Lehman Pleite endlich vor
Gericht zu stellen? Wo ist der Fehler im System, der dafür sorgt, dass die
Banker der kleinen Leute grundsolide Finanzhandwerker sind und die Obermacher
und Gesprächspartner unserer Politiker Größenwahnsinnige im Stile eines Ackermann
oder Notheis?
Okay ich weiß: Geld verdirbt den Charakter. Aber ich bin mir
völlig sicher, dass ich mindestens 50 Leute kenne, die mit ausreichender
Qualifikation so einen Job machen könnten und trotzdem nicht abheben würden.
Warum schaffen es die nicht in solche Positionen?
Es muss das Killergen sein, das einem erst ermöglicht einen
Konkurrenzkampf für diese Leitungspositionen auszuhalten, das sich eben
letztlich auch als ein Gen der Verantwortungslosigkeit aus mangelnder Moral
zeigt. Denn das ist es ja, was diesen Leuten fehlt: Die Moral richtig von
falsch zu unterscheiden. Und keiner sage mir, das sei in diesen Dimensionen
nicht mehr möglich. Die wissen ganz genau, welche menschlichen und
wirtschaftlichen Prinzipien sie mit Füßen treten.
Aber genug auf die großen Abzocker geschimpft, denn wir sind oft nicht
besser: Jeder weiß, dass bei Geschäften mit einer Rendite von über 10 Prozent
irgendjemand die Zeche zahlt. Seien es Arbeitnehmer, die Umwelt, die Zukunft
oder ganz einfach betrogene Anleger. Würde niemand in solche Geschäfte
investieren, dann wäre der Spuk bald beendet. Wobei natürlich auch hier wieder
gilt: Es sind nicht die kleinen Anleger, die solche Geschäfte machen, sondern
die, denen sowieso schon zu viel Geld am Arsch klebt. Insofern ist der
Vorschlag einer Vermögensabgabe
auf große Vermögen über 250 000 Euro pro Person, zur Refinanzierung der Eurokrise, sehr bedenkenswert und sollte
auf jeden Fall weiterverfolgt werden. Vielleicht wäre das ja mal was für die
Piraten, um auch auf einem anderen Feld der Politik, außerhalb der Netzpolitik,
Profil zu zeigen.Bildnachweis: Chocolat auf www.pixelio.de
Dienstag, 10. Juli 2012
Ein Buch übers Erwachsenwerden: "Du und Ich"
Nicolò Ammanitis Roman „Du und Ich“
Diesmal hat mich ein Buch so gefesselt, dass ich es an einem
Tag lesen und außerdem eine ausführliche Rezension schreiben musste: Nicolò
Ammanitis Roman „Du und Ich“.
Hier möchte ich nur ganz subjektiv anmerken, dass ich mich
ganz ausgezeichnet in die Rolle dieses ängstlichen Jungen Lorenzo versetzten konnte,
der sich mit Hilfe sozialer Mimikry durchs Leben laviert. Vielleicht war ich
nicht ganz so ängstlich als Kind aber mindestens so sehr in Träumen verloren.
Vielleicht brauche ich heute genauso viel soziale Mimikry, um unerkannt als
„immer noch Träumer“ durchs Leben zu kommen.
Ein Buch für alle, die sich ein bisschen herausgefallen fühlen aus der
Gesellschaft.
Dazu hat Ammaniti dem Buch eine Rahmenhandlung verpasst, die den
Realitätsschock für alle Träumer bereit hält. Keine leichte aber faszinierende Kost.
Mittwoch, 20. Juni 2012
Wahl in Griechenland
Samaras soll Griechenland aus der Krise führen
Die Altparteien sollen es nach dem Willen der griechischen Wähler noch einmal probieren, Griechenland reformieren und im Euro halten. Kann das gut gehen? Ich hätte es toll gefunden, wenn sich der neue Hoffnungsträger Alexis Tsipras in der Realpolitik hätte beweisen müssen. Sicher hätte er der EU mehr abgehandelt als Samaras das schaffen wird. Vielleicht hätte er einen Anfang gemacht, Griechenland aus dem Sumpf der Selbstbereicherung zu führen. Vielleicht auch nicht, dann wär das wenigstens klar gewesen. Samaras? Ein Neuanfang schaut anders aus. Aber jeder soll seine Chance bekommen und ich als Griechenlandliebhaber hoffe unverdrossen, dass die Griechen endlich ein funktionierendes Staatswesen bekommen, das den Leuten hilft, ihr Leben zu leben und nicht den Millionären, ihr Geld ins Ausland zu karren!Freitag, 15. Juni 2012
Und wieder ein Buch:
„Der Genosse, die Prinzessin und ihr lieber Herr Sohn“ von André Kubiczek
Ausgehend von der eigenen Kindheit in der DDR schreibt
Kubiczek in seinem autobiografischen Roman "Der Genosse, die Prinzessin und ihr lieber Herr Sohn"
über die eigene Familiengeschichte und damit einhergehend
DDR-Geschichte, Wendezeit aber auch über Laos, die Heimat seiner Mutter und die
60er Jahre in Russland, wo sich seine Eltern beim Studium kennen gelernt
hatten.
Sehr assoziativ springt Kubiczek durch Zeiten und Räume und knüpft dabei
ein emotionales Netz, in dem das Bild des eigenen Lebens und das seiner Familie
langsam immer deutlicher hervortritt. Den Kampf der Eltern um eine so
außergewöhnliche Liebe zwischen der Tochter einer einflussreichen laotischen Familie
und einem Stahlarbeitersohn aus der DDR mitten im real existierenden
Sozialismus, Kindheit, Jugend und Militärzeit als „mandeläugiger“ Exot in der
kleinbürgerlichen DDR-Welt, Tod des Bruders und der Mutter, dann Wende und
völlig auf den Kopf gestelltes Leben, all das beschreibt Kubiczek lapidar,
nicht wertend. Nur durch die Einblicke in die eigene Gefühlswelt entsteht ein
auch emotional erfahrbares Bild eines Lebens und der Geschichte, in die dieses
Leben eingebettet ist. Lesenswert!
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